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1980

In New York, Los Angeles und San Francisco traten Krankheiten auf, die es in dieser Form vorher nicht gegeben hatte. Betroffen waren ausschließlich schwule Männer. Die Betroffenen litten unter Parasitenbefall, hatten das Kaposi-Sarkom oder erkrankten an einer speziellen Lungenentzüdung (Pneumocystis-Carinii-Pneumonie). Blutuntersuchungen ergaben, dass der Anteil der T-Helferzellen (weiße Blutkörperchen, die eine besondere Rolle bei der Immunabwehr spielen) von normalerweise 4000 bis 6000 pro ml Blut bis auf nahezu Null gesunken war. Das bedeutete eine extreme Schwächung der Immunabwehr.

 

Im Zuge der Nachforschungen entdeckte man ähnliche Fälle aus den Jahren 1977 (Kopenhagen) und 1978 (Paris). 1980 suchte ein kanadischer Airline-Steward wegen eines auffälligen braunen Flecks auf seiner Haut einen Arzt auf. Auf intensives Befragen hin wurde bekannt, dass er in großen Teilen der Welt über viele Jahre zahlreiche homosexuelle Kontakte gepflegt hatte.

 

Im Jahr 1980 wurden rund 80 Fälle dieser neuen Krankheit mit etwa 26 Toten erfasst.

 

Die staatliche Gesundheitsbehörde der USA (Center for Disease Control and Prevention) begann die Ursachen dieser Erkrankung zu untersuchen. Es gab zahlreiche Hypothesen und Theorien, aber keine schlüssigen Beweise. Zu diesem Zeitpunkt schien festzustehen, dass nur homosexuelle Männer von der Krankheit betroffen waren. Es wurde intensiv nach Informationen und Kontaktpersonen zu den Infizierten oder bereits Erkrankten gesucht. Der oben erwähnte Steward wurde damals als "Patient 0", also als der Erstinfizierte, bezeichnet. (1998 belegten Studien, dass "Patient 0" keineswegs der Erstinfizierte war).

 

 

1981

Im Laufe des Jahres gab es erste ernsthafte Hinweise darauf, dass ein Virus Verursacher der Krankheit sein könnte, dass die Übertragung über Sperma und Blut stattfindet. Aber ein wissenschaftlich eindeutiger Beweis war damals nicht zu erbringen. Es waren inzwischen 125 Fälle mit einer Sterblichkeitsrate von 40% bekannt. Die Krankheit wurde in dieser Zeit als Schwulenkrebs oder Schwulenpneumonie bezeichnet. Auch in anderen Ländern traten vermehrt Erkrankungen auf. In Frankreich gab es ca. 20 Todesfälle.

 

 

1982

Als in Miami Haitianer erkrankten, die nicht schwul waren und in New York Neugeborene und Bluterkranke die Krankheit bekamen, herrschte Verwirrung. Mittlerweile waren über 400 Erkrankungsfälle mit 270 Toten registriert. Die Krankheit schien sich zu einer Epidemie zu entwickeln. 

Die Öffentlichkeit suchte beinahe hysterisch nach Erklärungen für die Ursache der Erkrankung. Es gab Theorien, die besagten, dass medizinische Experimente der CIA oder des KGB, antischwule Gruppierungen oder sogar UFOs die Verursacher der Krankheit wären. Religiöse Fundamentalisten nannten die Krankheit eine Strafe Gottes für das "sündige" Verhalten der Schwulen.

Man war sich zunehmend darüber einig, dass der Erreger ein Virus sein müsse, das über Spermien und Blut übertragen werde. Es wurde daher gefordert, die Schwulensaunen in Los Angeles und San Francisco, in denen besonders freizügige Sexualität praktiziert wurde zu schließen, sowie Schwule nicht mehr als Blutspender zuzulassen. Dagegen protestierte die Schwulenbewegung, weil sie dadurch eine erneute Diskriminierung befürchtete. Die Blutindustrie lehnte unspezifische Kontrollen aus Kostengründen ab. Einen dem heutigen Standard entsprechenden Test gab es natürlich noch nicht, da das Virus immer noch nicht identifiziert war.

Charles Montagnier vom Pasteur-Institut in Paris und der amerikanische Virusforscher Gallo forschten wie viele andere Wissenschaftler nach dem Erreger.

 

 

1984

Im Oktober 1984 wurde das Virus durch das Anzüchten eines Retrovirus (genannt LAV) vom Pasteur-Institut in Paris zweifelsfrei identifiziert. Da aber auch Gallo aus den USA behauptete, das Virus entdeckt zu haben (er isolierte das Virus HTLV III), entstand ein Konflikt zwischen den Instituten der beiden Forscher. Nach einigen Treffen einigte man sich darauf, den Verdienst der Entdeckung beiden Forschern zuzusprechen.

Man legte die Bezeichnung HIV (Human Immun-Deficiency Virus) fest.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren 4100 Menschen erkrankt und 2900 verstorben. Die Krankheit erhielt von einer internationalen Kommission offiziell den Namen

AIDS = Acquired Immune Deficiency Syndrome, also erworbene Immunschwäche.

 

1985

Im Jahre 1985 wurde ein Testverfahren entwickelt, welches den Nachweis von Antikörpern gestattete, die das Immunsystem der Infizierten gegen das Virus gebildet hatte.
Zu diesem Zeitpunkt waren in den USA bereits 6300 Menschen an den Folgen der Krankheit verstorben.
Im November 1985 fand der erste große Aids-Schweigemarsch im Gedenken an die vielen Opfer dieser Krankheit statt.

 

 

1986-1990

Ab dem Jahr 1986 wurde durch die Einführung der Monotherapie mit AZT (Azidothymidin) erstmals das Virus selbst bekämpft. Die anfängliche Euphorie dauerte nur kurz an, weil bei zahlreichen Patienten schon innerhalb weniger Monate resistente Virusstämme auftraten. Die "effektive Lebensverlängerung" betrug etwa sechs Monate.

 

1991-1996

Auf dem Welt-Aids-Kongress in Vancouver 1996 stellte der Virologe David Ho klinische Studien (Beginn:1991-93) vor, die belegten, dass durch die Kombination mehrerer Medikamente (so genannte Kombinationstherapie oder Mehrfachtherapie) die Viren im Blut kaum noch nachweisbar waren.

 

1998-1999

Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern veröffentlichte eine Studie über Blutproben aus afrikanischen Krankenhäusern, die die Gerüchte über den künstlich in Umlauf gesetzten HI-Virus widerlegte. In einer Blutprobe aus dem Jahr 1959 aus dem Kongo wurde das HI-1-Virus nachgewiesen. Im Vergleich mit heute auftretenden Subtypen des HI-1-Virus konnten die Forscher belegen, dass das Virus erstmals in den 40er Jahren auftrat. Es entstand wahrscheinlich durch die Übertragung eines Affenvirus (SI-Virus) von Schimpansen auf den Menschen. Auch der in Afrika häufigere HI-2-Virus dürfte damals entstanden sein. Da die molekularbiologischen Verfahren in den 40er Jahren noch nicht entwickelt waren, war somit die Theorie über die künstliche Entstehung des Virus gestorben.

Zwei Jahre nach dem Aids-Kongress in Vancouver und der mit der Kombinationstherapie verbundenen Hoffungen, zeigt sich mittlerweile eine erhebliche Ernüchterung in Bezug auf die Erfolge einer Aidstherapie. Die Viren verschwinden zwar mit Hilfe der Kombinationstherapie aus dem Blut, siedeln sich aber im Lymph- und Nierensystem an. Nach dem Absetzen der Therapie vermehren sie sich sofort wieder. Wegen Virus-Resistenzen ist die Kombinationstherapie auch nur für eine begrenzte Zeit von Jahren wirksam und führt außerdem zu unterschiedlich schwerwiegenden Nebenwirkungen.

 

2000

Am 9.Juli findet der Welt-Aids Kongress in Durban (Südafrika) statt. Zehntausend Teilnehmer diskutieren die neuesten Erkenntnisse der Aids-Forschung. Eine der Hauptforderungen des Kongresses ist die Bereitstellung von preiswerteren Medikamenten. Eine Forderung, die vor allem für Afrika entscheidend ist. Zu diesem Zeitpunkt sind ca. 25 Millionen Menschen in Afrika mit dem HI-Virus infiziert und AIDS wurde für eine Reihe von afrikanischen Staaten bereits zur Existenzfrage.

"Ärzte ohne Grenzen" fordert die Pharmakonzerne auf, die Preise für Medikamente in weniger entwickelten Staaten um 95 Prozent zu senken.

 

2001

Nach einer Einigung mit Pharmakonzernen kann Südafrika billigere, generische Versionen von Aids-Medikamenten vertreiben. Im Juni findet eine Vollversammlung der Vereinten Nationen statt, die sich zum ersten Mal seit der Gründung der UN ausschließlich mit einer Krankheit (Aids) befasst. In der Abschlusserklärung erklären alle 198 Mitgliedstaaten, eigene Programme gegen die Verbreitung von HIV zu entwickeln. Die Welthandelsorganisation einigt sich darauf, dass bei nationalen Notständen Entwicklungsländer in Zukunft kostengünstigere Medikamente (Generika) herstellen dürfen. Im November findet die erste Nationale AIDS-Konferenz in China statt. Die südafrikanische Regierung muss in Zukunft nach einem Urteil des High Court schwangeren Frauen das Aids-Medikament Nevirapin zur Verfügung stellen, um das Risiko einer Übertragung von HIV auf das Kind zu senken.

 

2002

Am 14. Februar geht der 18jährige Streit zwischen US-Forscher Robert Gallo und dem Labor von Luc Montaignier zu Ende, indem Gallo einräumt, dass Montaignier die entscheidenden Arbeiten zur Entdeckung des HI-Virus machte.

Zusätzliche Angaben zur Geschichte von AIDS findest du unter www.hivlife.de

 

 

 

Aktuelle Aids-Statistik der Aidshilfen Österreich

1. AIDS-Erkrankungen

 von 1983 bis 1. August 2008 2.630, davon 1.473 verstorben
derzeit 1.157 AIDS-PatientInnen

34,3 % Homo/bisexuell (903)
24,1 % IV-Drogen (635)
19,8 % Heterosexuell (521)
  1,0 % Mutter-Kind (26)

 

20,9 % Frauen (35,1 % Drogen, 46,2 % Hetero)
79,1 % Männer (21,3 % Drogen, 12,8 % Hetero, 43,4 % Homo)

 

Bundesländer:

Wien            1.251    47,57 %
Burgenland       30      1,14 %
Kärnten            68      2,58 %
OÖ                 441    16,77 %
NÖ                 162      6,16 %
Salzburg         111      4,22 %
Steiermark     182     6,92 %
Tirol               268   10,19 %
Vorarlberg      117     4,45 %

 

2. HIV-Infektionen

ca. 12.000 – 15.000 (etwa die Hälfte davon in Wien)
2/3 davon Männer
1/3 davon Frauen

 

3. Neuinfektionen

Täglich 1 bis 2 Neuinfektionen in Österreich. 

Im Jahr 2007 wurden 515 Neuinfektionen festgestellt (Vergleichszeitraum 2006: 442).

2006 erfolgten fast 42 Prozent der Neuinfektionen über heterosexuelle Kontakte (1998 waren es 27%!), 28,6 Prozent über homosexuelle Kontakte und 20,5 Prozent über intravernösen Drogenkonsum.

Pro Jahr werden in Österreich rund 1 Mio. HIV-Antikörper-Tests durchgeführt (500.000 davon im Spendenwesen). Ein Problem ist, dass die Tests oft in der falschen Zielgruppe durchgeführt werden (PensionistInnen u.s.w.). Einerseits wird sehr viel getestet, andererseits wird bei vielen der Betroffenen die HIV-Infektion erst im Zuge der tatsächlichen Erkrankung bekannt.

 

 

AIDS weltweit

 Bis zum Jahresende 2007 werden sich laut UNAIDS weltweit zwischen 33,2 Millionen Menschen mit dem Immunschwächevirus infiziert haben. Im Jahr 2007 wird es zu etwa 2,5 Millionen Neuinfektionen weltweit kommen, davon zu rund 420.000 bei Kindern unter 15 Jahren. Besonders alarmierende Zahlen werden nach wie vor aus dem südlichen Afrika gemeldet, aber auch in Asien ist die Zahl der HIV-Infizierten auf 4,9 Millionen gestiegen. Trotz der verbesserten medizinischen Behandlungsmöglichkeiten und der Bestrebungen, die Medikamente auch den Betroffenen in der dritten Welt zugänglich zu machen, werden bis zum Jahresende 2007 2,1 Millionen Menschen an AIDS gestorben sein.

 

Eine detaillierte Länderstatistik findest du unter http://www.unaids.org