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Schwul sein PDF Drucken E-Mail
schwulVereinfacht gesehen bedeutet es, dass du Personen deines eigenen Geschlechts sexuell anziehend findest. Doch es steht auch für eine breite Palette von Gefühlen, Wünschen und Träumen, die sich auch im täglichen Miteinander ausdrücken.

Es gibt viele Theorien darüber, warum der eine schwul und der andere heterosexuell ist. Es mag durch das genetische Roulette mitbestimmt sein, oder durch die Tatsache, dass deine Mutter während der Schwangerschaft zuviele existentialistische Bücher gelesen hat. Wir sind alle verschieden, haben verschiedene Augenfarben, sind Rechts- oder Linkshänder.

Grosse Teile unserer Gesellschaft meinen noch immer, dass Heterosexualität die einzig wahre Norm sei und erst durch diese Engstirnigkeit entsteht das Dilemma, die eigene Sexualität zu verstecken oder eben dazu zu stehen und sein "Coming out" zu betreiben.

Wie in vielen anderen Bereichen, leben viele ihr Leben hinter großen Scheuklappen, die aus überholten Vorurteilen, Klischeevorstellungen und Ängsten gemacht sind. Sie bewerten Homosexualität anders als Heterosexualität und beschneiden so das Recht von (homosexuellen) Menschen, ihr Leben auf ihre Art zu leben.

Für viele schwule, lesbische oder bisexuelle Menschen ist die Zeit des Heranwachsens besonders schwierig. Man merkt, dass man "anders" ist, hat meist niemanden, an dem man sich orientieren kann und stösst oft auf Ablehnung und Aggression.

Die Mann-Frau-Beziehung wird ständig als einzig zulässiger Maßstab gepriesen, gegen den das eigene Ich immer wieder antreten muss. Viele ziehen sich dann in sich selbst zurück und verstecken ihre wahren Empfindungen, um nicht verletzt zu werden oder um die in Schablonen gepressten Erwartungen des sozialen Umfeldes nicht zu enttäuschen. Doch dieses Verstecken seines wahren Ichs kostet viel Kraft und kann sehr unglücklich und unsicher machen.

Sicherlich haben sich in den letzten Jahre einige Vorurteile gelegt und es ist mehr an gegenseitigen Verständnis entstanden. Nicht zuletzt, weil viele im täglichen Umgang miteinander merken, dass die Unterschiede gar nicht so groß sind.

Doch sobald Dummheit und Unwissenheit zum Zuge kommen und das Verhalten durch Vorurteile bestimmt wird, werden vielerorts Schwule noch immer als "krank, unnormal und pervers" betrachtet. Dies ist der Nährboden für Diskrimierung, soziale Ächtung und nur allzu oft auch Gewalt.

Wenn man "am anderen Ufer" sein eigenes (schwules) Leben lebt, erfährt man sehr schnell, dass man als Angehöriger einer zur "ungewollten" Minderheit gemachten Gruppe, im Grunde die gleichen Probleme hat wie alle anderen auch. Man versteht die Bedeutung von Toleranz und Intoleranz vielleicht besser und muss sich selbst etwas genauer unter die Lupe nehmen. Diese verstärkte Selbstbeobachtung kann aber auch den Horizont erweitern, das Selbstbewusstsein wachsen lassen und das Verständnis für die zahlreichen Spielarten des Anders-Seins erhöhen.


Das Leben ist viel zu interessant, um seine Zeit damit zu vergeuden, sich hinter Masken zu verstecken oder sich von engstirnigen Vorurteilen fertigmachen zu lassen...
 
 
 
Aids...

... ist leider eine sehr aktuelle Tatsache im schwulen Leben, die einen leicht ängstlich machen kann. Aber mit dem richtigen Schutz, mit Safer Sex kann man seine Sexualität richtig geil leben:

  • HIV kann nicht durch Küssen, Streicheln oder Abspritzen auf unverletzte Haut übertragen werden.
  • Beim Blasen besteht nur ein geringes Ansteckungsrisiko, solange kein Sperma in den Mund gelangt: kein Abspritzen im Mund ohne Kondom! (Schon einmal Kondome mit Papayageschmack versucht?)
  • Auf Nummer sicher geht man beim Blasen, indem man ein Kondom verwendet.
  • Die größte HIV-Infektionsgefahr besteht beim Bumsen (egal ob man der aktive oder der passive Partner ist), deshalb sollte man immer extra-starke Kondome und ausreichend wasserlösliche Gleitmittel verwenden (fetthaltige Gleitmittel machen das Kondom durchlässig).
  • Grundsätzlich gilt immer: Kein Blut und kein Sperma darf auf frische Wunden oder Schleimhäute (Darm, Mund, Auge, Eichel) kommen.
Genaue Informationen findest du im Safer-Sex-Kapitel


 
Es gibt kein schwules Gen
Von Sonja Kastilan (Die Welt)

"Nach Erfahrungswerten aus den USA wird angenommen, dass in einem Zeitraum von drei Jahren etwa zehn Prozent der Menschen homosexuell leben", schätzt Rolf Gindorf von der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung in Düsseldorf. Die sexuelle Orientierung einer Person auf Männer oder Frauen hänge jeweils von der Lebenssituation ab. So sind vermutlich 30 Prozent aller Frauen nicht ausschließlich auf Männer festgelegt. Ob sie aber tatsächlich sexuelle Begegnungen mit dem gleichen Geschlecht haben, weiß niemand.

"Wie bei allen Sexthemen ist die Verweigerungsrate bei Umfragen bei dem sensiblen Thema der sexuellen Orientierung sehr hoch", erklärt Hartmut Bosinski, Privatdozent der Sexualmedizin an der Universität Kiel. Sexualmediziner gehen bei sexuellen Neigungen von einer so genannten geschlechtstypischen Verteilung aus, wie sie auch für aggressives Verhalten oder räumliche Orientierung besteht: Frauen bevorzugen eher Männer als Sexpartner und umgekehrt. "Aber zwischen rein hetero- oder homosexuellen Partnerschaften sind alle Variationen möglich", betont Bosinski.

Ebenso ungeklärt wie der Bevölkerungsanteil ist die Frage nach der biologischen Veranlagung. Einige Sexualwissenschaftler gehen wie Rolf Gindorf davon aus, dass weitgehend Einflüsse von außen das Sexualleben prägen. Am Anfang sei jeder gefühlsmäßig und körperlich sexuell offen, bis sich eine Richtung einstelle. Diese könne wiederum je nach Lebensalter variieren. Inwieweit die jeweilige Sehnsucht ausgelebt werden kann, entscheide meist die Kultur der herrschenden Gesellschaft.

Dass es aber eine oder mehrere biologische Ursachen geben muss, wird durch viele Studien belegt. "Es gibt unzweifelhaft eine biologische Prädisposition", so Bosinski. Einen aktuellen Hinweis lieferten kanadische Forscher von der Universität in Toronto: Linkshändigkeit kommt unter schwulen Männern und lesbischen Frauen häufiger vor als unter heterosexuellen. Die Wissenschaftler vermuten, dass Homosexualität bei Männern und Frauen die gleichen biologischen Ursachen hat und in einer frühen Entwicklungsphase festgelegt wird. Allerdings lasse sich die sexuelle Neigung einer Person nicht an der bevorzugt benutzten Hand ablesen, warnen die Forscher.

Offen bleibt weiterhin, wie die sexuelle Neigung im Körper bestimmt wird. Sie könnte bereits genetisch, wie viele vermuten, oder durch Hormone während der Schwangerschaft angelegt sein. Für hormonelle Einflüsse würde eine Studie aus San Francisco (USA) sprechen. Forscher stellten einen Zusammenhang zwischen Fingerlänge und sexueller Orientierung bei Frauen fest. Bei lesbischen Frauen komme es häufiger vor, dass der Zeigefinger der rechten Hand kürzer ist als der Ringfinger. Die Länge der Finger wird während der Schwangerschaft von männlichen Hormonen der Mutter geprägt. Ein höherer Anteil könnte zu einem Fingerverhältnis wie bei Männern führen und zu einer Neigung zu Frauen.

Den Hormonspiegel im Mutterleib machte auch Professor Günter Dörner für sexuelle Neigungen verantwortlich. Er forschte bis in die achtziger Jahre an der Berliner Charité und vertrat die Ansicht, dass ein Mangel am männlichen Hormon Testosteron Jungen weiblich prägt, während beispielsweise ein Überfluss Mädchen eher männlich prägen würde, so dass sie später Frauen statt Männer bevorzugen. Zahlreiche Tierversuche bestätigen diesen Ansatz. Jedoch gehen Wissenschaftler heute davon aus, dass bei Menschen und Menschenaffen nicht nur eine Ursache die sexuelle Orientierung bestimmt.

Seit Anfang der neunziger Jahre wurden Gene auf dem Abschnitt q28 des X-Chromosoms mit Homosexualität in Verbindung gebracht. Vergangenes Jahr wurde das mütterliche Chromosom jedoch rehabilitiert. Eine Untersuchung amerikanischer und kanadischer Forscher konnte die früheren Belege aus Zwillings- und Familienstudien bei Brüdern nicht bestätigen. Die scheinbaren Übereinstimmungen seien nur zufällig.

Dennoch weisen Zwillingsstudien auf eine genetische Veranlagung hin. Bei einer Untersuchung im Jahre 1991 waren 52 Prozent der eineiigen Zwillingsbrüder von Homosexuellen ebenfalls schwul, bei zweieiigen Zwillingen waren es nur 22 Prozent. "Aber was ist mit den anderen 48 Prozent der eineiigen Zwillinge?", kritisiert Sexualmediziner Bosinski. Homosexualität könne nicht allein genetisch begründet sein. "Kultur, Gesellschaft, Normen und Werte sowie der persönliche Lebensweg spielen eine entscheidende Rolle", ergänzt er.

"Tatsache ist aber, dass es unabhängig von der Kultur weltweit immer einen bestimmten Prozentsatz homosexueller Männer gibt", weiß Professor Wulf Schiefenhövel, Anthropologe am Max-Planck-Institut für Humanethologie in Andechs. Egal, ob die Menschen ihre Neigungen beispielsweise wie in Großstädten frei ausleben können oder nicht, wie es in ländlichen Regionen oft der Fall ist.

Sex ist beim Menschen nicht nur für die Fortpflanzung von Bedeutung, sondern ebenso für Lustbefriedigung und Kommunikation "Sex ist die engste Form einer Beziehung, näher können sich Menschen nicht kommen", betont Bosinski. Die gleichgeschlechtliche Liebe sei dabei eine mögliche Variante, aber zugleich nur ein Merkmal von vielen, das nichts über den ganzen Menschen aussage.